… für Forellen und Äschen stammt vom «Cul de Canard» – dem Hinterteil der Ente. Doch was macht CDC so besonders? Warum fängt man mit CDC-Fliegen meist besser als mit jeder anderen Fliege? Und warum haben Sie diese Fliegen noch nicht in Ihrer Box?
Pfffffftttttt – wieder nicht genommen …! Da wir uns ja nicht so gut kennen: Ich presse Luft durch die Zähne, verbunden mit leichtem Kopfschütteln, das bedeutet bei mir Frustrationspegel 5,9 auf der nach unten offenen Skala! Ab Pegel 6 bin ich nicht mehr ratlos, sondern mittelschwer genervt und ergänze das Kopfschütteln mit leisen Flüchen. Seit über einer Stunde bin ich am Fluss, überall steigen die Fische, nur meine Fliegen wurden komplett ignoriert – mal abgesehen von ein paar handlangen Winzlingen, die eher ins Aquarium als auf den Teller passen.
Zum fünften Mal nehme ich die Fliegenbox heraus, werfe gleichzeitig einen Blick auf das Flypatch links oben an der Weste, das mir anzeigt, welche Fliegen ich den Forellen schon vorgeführt habe – und glaube nicht, was ich da sehe. Mit einer Bewegung ist das Patch in der Hand und nahe vor meinen Augen. Tatsächlich – nicht eine einzige CDC darunter. Dabei hätte ich schwören können, dass ich mit einer CDC angefangen habe. Der Fehler ist schnell behoben. Eine Minute später ist eine schlanke, zarte CDC-Devaux am 0,14er-Vorfach, landet sanft auf der spiegelglatten Wasseroberfläche, treibt langsam ab – sie kommt nur einen Meter weit, dann verschwindet sie in einem kleinen Strudel. Ich hebe die Rute, straffe die Schnur. Widerstand! Ich spüre zwei, drei kräftige Schläge, dann wölbt sich das klare Wasser auf und ich sehe eine breite Flanke aufblitzen. Wow! Das ist eine Gute. Jetzt bloss keinen Fehler machen! Die Forelle schiesst davon, die Leine zischt durchs Wasser. Die Forelle ist noch grösser als im ersten Moment vermutet. Klack, Klack, Klack … Der Backing-Knoten saust durch die Ringe. Mist, ich muss hinterher … Fünf Minuten später kann ich die Bachforelle landen. Ein Prachtsexemplar, dunkelgetupft mit buttergelbem Bauch, 56 Zentimeter lang und in bester Verfassung – die 14er-CDC sitzt perfekt im Maulwinkel.
Verräterische Fussabdrücke
Doch warum hat diese Forelle ausgerechnet diese Fliege genommen? Es lag zweifelsfrei am CDC! Nein, CDC-Federn sind keine Zauberfedern, die Fische auf magische Weise anziehen. Um zu verstehen, was diese Federn so speziell macht, muss man einiges wissen: Echte Insekten, die auf der Wasseroberfläche sitzen, erzeugen im Oberflächenfilm Fussabdrücke, und diese Fussabdrücke sorgen für Lichtbrechungen, die von den Fischen wahrgenommen werden. Je langsamer die Strömung und je klarer das Wasser ist, desto besser können die Fische die Abdrücke echter Insekten von den «gefälschten Fussabdrücken» unserer Fliegen unterscheiden. Auch wenn die Fliege aus unserer Sicht perfekt aussieht, der Fisch kann anhand der Abdrücke die Fälschung erkennen. Schwierig wird es für ihn, wenn man Fliegen benutzt, die mit CDC gebunden sind, denn die einzelnen Fibern sind so fein, dass sie offensichtlich «naturidentische» Fussabdrücke erzeugen.
Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie hauchzart diese Federn und ihre Fibern sind: 100 CDC-Federn wiegen gerade mal ein knappes Gramm. Gegen eine CDC wirkt selbst die feinste Hahnenhechel klobig und dick.
Fusilli contra Spaghetti
Und die CDC-Federn oder vielmehr ihre einzelnen Fibern, die am Federstamm sitzen, haben noch eine Besonderheit. Auf den Fibern, die vom Hechelstamm abgehen, sitzen zusätzlich winzige Fiberchen – und diese Fiberchen sind zudem spiralförmig gedreht. Auf dem Bild «Vergrösserung CDC» sehen Sie diese kleinen Härchen auf den einzelnen Fibern.
Welchen Unterschied diese gedrehten Fiberchen machen? Andere Frage: Warum gibt es eigentlich neben den normalen, geraden Spaghetti auch diese in sich gedrehten Nudeln namens Fusilli (Spiralnudeln)? Beide bestehen doch aus dem gleichen Material, wo ist also der Unterschied? Ganz einfach: Die korkenzieherartig gedrehten Fusilli haben bei gleicher Länge eine grössere Oberfläche und nehmen daher die Sauce besser auf.
Ähnlich ist es bei den Federn: Die in sich gedrehten winzigen Fibern der CDC haben eine grössere Oberfläche und schliessen daher besser Luft zwischen den Fibern ein. Ausserdem bilden die gedrehten Fibern auf der Wasseroberfläche eine grössere Auflagefläche. Beide zusammen sind das Geheimnis, warum CDC-Fliegen auf ruhigem Wasser so gut schwimmen.
CDC hat übrigens so viel Auftrieb, dass CDC-Fliegen sogar ohne die sonst übliche Hechel im Oberflächenfilm des Wassers schwimmen. Diese Eigenschaft ermöglicht es uns, eine Trockenfliege wie ein echtes, gerade schlüpfendes Insekt anzubieten. Oft ist das der Schlüssel zum Erfolg.
Schauen wir uns einmal den Eintagsfliegen-Schlupf etwas genauer an: Die Emerger, also die vom Grund aufgestiegenen Eintagsfliegen, hängen unter dem Oberflächenfilm des Wassers. Dort platzt die Nymphenhülle auf und die Tierchen müssen sich aus der engen Nymphenhaut zwängen, die Flügel «aufpumpen» und aushärten lassen. Erst danach können sie davonfliegen. Da die Eintagsfliegen in dieser Phase weder schwimmen noch fliegen können, sind sie die leichteste Beute, die ein Fisch machen kann.
Coole Optik und voll gefühlsecht
Zwei Strophen noch, dann ist meine Lobes-Hymne auf die CDC vollständig. Doch diese beiden Punkte werden Sie interessieren, denn es sind zwei Punkte, die unmittelbar die Fische betreffen.
Punkt Nummer 1: Das erste, was ein Fisch sieht, wenn eine Fliege auf ihn zutreibt, sind ihre Flügel. Diese verblüffende Beobachtung haben Clarke & Goddard in ihrem Buch «Die Forelle und die Fliege» mit Unterwasseraufnahmen belegt und beschrieben. Imitationen, die mit CDC gebunden sind, weisen ein diffuses Erscheinungsbild auf, und das scheint dem der echten Insekten sehr nahe zu kommen. Die CDC-Fliegen wirken daher natürlicher als mit anderen Federn gebundene Fliegen.
Der letzte Pluspunkt für CDC: Die weichen Fibern fühlen sich im Fischmaul offensichtlich «gefühlsecht» an, fast wie ein echtes Insekt. Testen Sie es einmal: Lassen Sie den Fisch die CDC nehmen und setzen Sie keinen Anhieb. Sie werden sich wundern, wie lange der Fisch das vermeintlich echte Insekt im Maul behält.
Michael Werner
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CDC… für Besserwisser |
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Andreas 15. September 2016
Vielen Dank für diesen spannenden Artikel! Gibt es eine Bindeanleitung/Video für die CDC-Fliege auf dem ersten Bild?