Im Winter ziehen sich die Hechte zum Grund zurück. Dort bewegen sie sich nur wenig und auch ihre Fressaktivität nimmt ab. Um die trägen Räuber trotzdem zu überlisten, greift René Pellaton vertikal an.
Das Schilf an den Ufern hat sich braun verfärbt, die Wassertemperaturen liegen deutlich und anhaltend unter der Marke von zehn Grad Celsius. Die Hechte haben sich den ganzen Sommer über am Überangebot von Kleinfischen satt gefressen. Jetzt, im Winter, läuft ihr Stoffwechsel langsamer. Sie fressen weniger oft, dafür grössere Beutefische. Brachsmen, grosse Schwalen und dicke Rotfedern zählen während der kalten Jahreszeit zur bevorzugten Beute der Grosshechte. Um diese Räuber zu überlisten, müssen wir daher auch grosse Köder einsetzen. Zudem ist es entscheidend, den Köder an der richtigen Stelle, in der richtigen Tiefe und mit einer angepassten Führungstechnik zu präsentieren. Der Hecht zieht während der Wintermonate nur wenig umher. Das bedeutet, wir müssen den Köder zum Hecht bringen und dürfen nicht warten, bis der Hecht unseren Köder findet.
Hart an der Kante
Beliebte Winter-Standplätze der Hechte sind steil abfallende Kanten. Häufig stehen sie zur kalten Jahreszeit am unteren Ende dieser Scharkanten. Mit Hilfe einer Tiefenkarte und eines Echolots lassen sich solche Stellen zuverlässig finden. Das Echolot hilft nicht nur, die Kanten zielgenau anzusteuern, häufig entdeckt man auf dem Bildschirm auch Futterfische und mit etwas Glück einen der erhofften Hechte. Eine der besten Methoden, um solche Stellen zu befischen, ist das Vertikalfischen vom treibenden Boot. So kann man relativ grosse Wasserflächen mit unterschiedlichen Tiefen gezielt befischen. Man benötigt dazu ein möglichst stabil im Wasser liegendes Boot, welches das Fischen im Stehen erlaubt. Am liebsten betreibe ich das Vertikalfischen driftend, bei leichtem Wind. Driftgeschwindigkeiten von 0,5 bis 2 km/h sind ideal. Bei stärkeren Winden hilft ein Driftsack um zu bremsen, bei Windstille ein Elektromotor oder ein Ruder als Antrieb. Das Boot positioniere ich so, dass ich an der Scharkante entlang drifte. Weht der Wind auf- oder ablandig, lasse ich mich auf die Kante zu bzw. von ihr weg treiben. Nach jedem Durchgang versetze ich mein Boot um einige Meter und wiederhole die Drift. So kann ich erfolgsversprechende Stellen gezielt abfischen.
Grosse Köder – grosse Hechte
Wie eingangs erwähnt, sind zum winterlichen Vertikalfischen auf Hecht grosse Köder gefragt. Ich verwende am liebsten tote Schwalen oder Rotfedern von 20 bis etwa 28 Zentimeter Länge, die ich an einem Köderfischsystem anbiete. Wer lieber mit Kunstködern fischt, kann anstelle des toten Köderfischs auch einen grossen Gummifisch einsetzen. Meine Ausrüstung besteht aus einer 2,10 Meter langen Spinnrute mit einem Wurfgewicht von 15 bis 50 Gramm und stabilem Rückgrat. Hinzu kommt eine robuste Stationärrolle oder eine Multirolle. Zum Vertikalfischen eignet sich sowohl Geflechtsschnur als auch dehnungsarme monofile Schnur von mindestens zehn Kilogramm Tragkraft. Fischt man häufig an Stellen von mehr als 15 Metern Tiefe, ist man mit einer geflochtenen Schnur aufgrund der besseren Köderkontrolle im Vorteil.
Erst absinken lassen
Beim Fischen lasse ich das System erst bis auf den Seegrund absinken. Dazu werfe ich den Köder ein bis zwei Meter gegen den Wind. So verhindere ich, dass sich der Köder in der Schnur verhakt. Hat der Köder den Grund erreicht, senke ich die Rutenspitze bis knapp über die Wasseroberfläche. Mit einer halben Kurbelumdrehung positioniere ich den Köder etwa einen halben Meter über Grund. Anschliessend beginne ich im Halbkreis, von links nach rechts und umgekehrt, durch kurzes Anheben und Absenken der Rutenspitze den Köder zu bewegen. Dadurch entsteht über dem Seegrund das verführerische Spiel eines verletzten Fischs. Ein vorgeschaltetes Olivenblei verstärkt das Köderspiel zusätzlich, indem er ihn auf und ab hüpfen lässt. Die Schnur muss stets unter Zug stehen. Oftmals attackieren die Hechte den Köder in der Absinkphase. Diese Bisse erkennt man nur mit einer gestrafften Schnur.
Das winterliche Vertikalfischen auf Hecht erfordert Geduld. Oft muss man mehrere Stunden oder sogar Tage für einen Biss investieren. Wenn es dann aber mal an der Rute rumpelt, ist meist auch ein guter Fisch dran. Nach meiner Erfahrung fängt man mit Grossködern nur selten Hechte unter 90 Zentimeter Länge. Die Erfolgsaussichten für solche Fänge stehen am besten, wenn das Wetter seit mindestens zwei Tagen beständig ist. Fragt mich jemand nach der aussichtsreichsten Tageszeit, empfehle ich, während der hellen Mittagsstunden im tiefen Wasser und die Zeit vor der Dämmerung im flacheren Wasser zu fischen.
René Pellaton
| Bau des Köderfisch-Systems zum Vertikalfischen |
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