Einsprache gegen das Bau- und Konzessionsprojekt „Neubau Kraftwerk Tuurau“
Die Umwelt- und Fischereiorganisationen sind sich nach genauer Prüfung der Projektunterlagen einig: Der „Neubau Kraftwerk Tuurau“ an der Thur bei Bischofszell TG ist nicht tragbar. Sie haben darum gemeinsam Einsprache gegen das Bau- und Konzessionsprojekt „Neubau Kraftwerk Tuurau“ erhoben. Die weitere Beeinträchtigung von zwei Auengebieten von nationaler Bedeutung ist nicht zu verantworten und wiederspricht dem gesetzlich verankerten Auenschutz, welcher eine Wiederherstellung der dynamischen Auenfunktionen fordert.
Auen sind die Regenwälder der Schweiz. In keinem anderen Lebensraum können wir so viele Arten beobachten – 84 Prozent aller einheimischen Tiere und Pflanzen kommen in Auen vor. Und doch gehören Auenlandschaften zu den gefährdetsten Lebensräumen der Schweiz. 90 Prozent sind in den letzten 200 Jahren verschwunden. Ein Neubauprojekt, welches Auen von nationaler Bedeutung beeinträchtigt, ist rechtlich nicht zulässig und muss darum genau unter die Lupe genommen werden.
Die Umwelt- und Fischereiorganisationen Aqua Viva, Fischereiverband Thurgau, Fischereiverein Thur I, Fischereiverein Thur II, Pro Natura, Schweizerischer Fischerei-Verband und WWF haben beim Projekt „Neubau Kraftwerk Tuurau“ grosse Unstimmigkeiten entdeckt und Einsprache erhoben.
Das Auengebiet von nationaler Bedeutung ‚Ghöggerhütte‘ würde durch den Höherstau von bis zu 2.8 Metern sowie Dammbauten mit bis zu 7 Meter tiefen Stahlspundwänden mitten im Auengebiet beeinträchtigt. Im nationalen Auengebiet ‚Unteres Ghögg‘ soll der Wasserabfluss massiv reduziert werden. Der Einstau und die Verringerung des Abflusses verhindern die für Auen typischen Prozesse der Dynamik und der stetigen Umgestaltung. „Es kann nicht sein, dass für 0.05 Prozent der Schweizer Wasserkraft-Stromproduktion zwei national geschützte Auen weiter beeinträchtigt werden. Das widerspricht geltendem Gesetz“ betont Benjamin Leimgruber von der Gewässerschutzorganisation Aqua Viva. Das Projekt „Neubau Kraftwerk Tuurau“ ist mit dem Schutzziel der ungeschmälerten Erhaltung der Auengebiete nicht zu vereinbaren.
Aber nicht nur die Auengebiete leiden unter dem Einstau. Fliessgewässer gehören generell zu den am stärksten beeinträchtigten Lebensräumen der Schweiz. Die Thur ist im Projektgebiet die Heimat der gefährdeten Äsche, welche auf freifliessende Strecken und eine lockere Kiessohle angewiesen ist. Christoph Maurer vom Thurgauer Fischereiverband: „Es ist Zeit, Verantwortung für unsere Flüsse und Bäche und deren Bewohner zu übernehmen. Für die in der Thur heimischen Arten, wie beispielsweise die gefährdete Äsche, sollte das Gewässer aufgewertet werden, anstatt weitere Beeinträchtigungen zuzulassen.“ So könnte bei Bischofszell ein Auenparadies für Tiere und Pflanzen, aber auch für den Menschen geschaffen werden.
Dazu braucht es die Bereitschaft auf die Natur Rücksicht zu nehmen, und eine ehrliche Interessensabwägung zwischen Naturschutz und Produktion zu tätigen – in diesem Fall ist klar: der Auenschutz ist stärker zu gewichten.
| Das Kraftwerk Tuurau und die Umgebung |
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Das heute noch in Betrieb stehende Kraftwerk Tuurau nutzt die Wasserkraft der Thur bei Bischofszell TG. Der Wehrstandort liegt oberhalb der Thurschlinge, wo die Sitter in die Thur mündet. Rund 1,6 Kilometer unterhalb des Wehrs steht die imposante Krumme Brücke – die längste in der Schweiz erhaltene Natursteinbrücke. Der schöne Flusslauf ist landschaftlich eindrucksvoll und liegt entsprechend auch in einem Landschaftsschutzgebiet. Kurz oberhalb des Wehrs befindet sich das Auengebiet von nationaler Bedeutung Ghöggerhütte und wenig unterhalb beginnt das nationale Auenschutzgebiet Unteres Ghögg. Das Wehr leitet heute das Wasser in einen Kanal zur Zentrale in der ehemaligen Papieri Bischofszell. Beim neuen Kraftwerk würde das Wasser beim Wehr in einen Druckstollen zur neuen Zentrale im Gebiet Muggensturmer Fels geleitet werden. Die Restwasserstrecke verlängert sich dadurch von heute knapp 2 Kilometer auf rund 3 Kilometer. |
Medienmitteilung der Umwelt- und Fischereiorganisationen:
Fischereiverband Thurgau, Fischereiverein Thur I, Fischereiverein Thur II, Schweizerischer Fischerei-Verband, Aqua Viva, Pro Natura und WWF

Peter Heierli 10. Februar 2017
Hallo miteinander
Das stimmt nicht alles so wie es geschrieben wurde.
Der Höherstau der Thur würde dem oberen Auenwald nur gut tun da jetzt schon dieses Gebiet
ständig im trockenen steht. Da wo jetzt der Kanal steht war früher auch kein Kanal und das Gebiet drunter trockener. Veränderungen hat es schon immer gegeben. Das Restwasser wird erhöht und eine Fischtreppe gebaut.
Wo soll den in Zukunft den unser Strom herkommen? Etwa aus alten maroden Atomkraftwerken?
Bischofszell soll eine Energiestadt werden. Wie denn?
Gruss aus der Rengishalde P.Heierli