Am Erscheinungstag des letzten «Petri-Heil» wurde auch der «Kassensturz»-Beitrag zum Aal-Gemetzel im Rhein ausgestrahlt. Hier eine kleine Auswahl von Dutzenden Lesermeinungen zum Thema.
Den Artikel und den «Kassensturz»-Bericht können Sie hier nochmals ansehen.
Der Druck muss bestehen bleiben
Gratuliere Dominique, dass du auch immer wieder Themen aufnimmst, welche nicht alle erfreuen und zu Diskussionen und entsprechenden Stellungnahmen führen im Sinne des Sprichwortes: «Wenn man den Hund auf den Schwanz tritt…» So auch der Beitrag betreffend sogenanntem Öko-Strom. Sehr gut, dass durch den Beitrag im «Kassensturz» auch eine breite Öffentlichkeit über diesen Missstand im Sinne von «Etikettenschwindel» aufgeklärt wurde. Deine Ausagen zu diesem Thema finde ich sehr gut und kann diese voll unterstützen. Bei vielen weiteren Kraftwerken wird dieses jährliche Gemetzel festgestellt. Unterhalb des Kraftwerkes Rheinau musste ich dieses traurige Schauspiel im Dezember 2016 persönlich miterleben. Wie ernst es den Kraftwerkbetreibern mit einer Verbesserung ist, zeigt das Interview mit Walter Vogelsanger vom KW Schaffhausen. Vielleicht habe ich mir das aber auch nur eingebildet, weil ich einfach wütend bin über die Tatsache, wie dieses Problem angegangen respektive eben nicht angegangen wird.
Auch seitens der Politik ist nicht viel zu erwarten. Beispiele wie bestehende Gesetze oder auch der Volkswille umgesetzt werden, gibt es zur Zeit ja genügend. Böse, wer da einen Zusammenhang zwischen Verwaltungsratshonoraren und politischen Interessen konstruiert…
Zu hoffen bleibt, dass durch ständigen Druck der Presse und der Öffentlichkeit mitsamt allen interessierten Organisationen die säumigen Kraftwerke und die zuständigen politischen Instanzen gezwungen werden, gesetzliche Vorschriften endlich zu erfüllen, um eine deutliche Verbesserung der heutigen miserablen und desolaten Situation herbeizuführen. Wichtig erscheint mir der Hinweis, beim Ausfüllen der Wahlzettel unbedingt auch solche Überlegungen zu berücksichtigen.
Peter Kunz, Schöfflisdorf
Wenn Fische schreien könnten
Ich möchte mich ganz herzlich bedanken für das Engagement von «Petri-Heil» und im Speziellen von Dominique. Das Problem ist ja nicht neu, aber es ist an der Zeit, dass man wieder deutlich darüber spricht. Ich hoffe sehr, dass nicht nur die Fischer und Kraftwerksbetreiber, sondern auch die vielen engagierten Tierschützer zugeschaut und die eindrücklichen, schmerzhaften Bilder gesehen haben.
Es ist einfach eine Schande, dass der Bund den Betreibern eine Frist bis 2030 gibt, um diese Missstände zu beheben. Eventuell löst sich das Problem ja von selbst, wäre ja nicht weiter wunderlich, wenn in unser schnelllebigen Zeit der Aal 2030 nicht mehr durch unsere Flüsse zieht.
Aber eben, ich sage es immer wieder, der Fisch, die stumme Kreatur, wie würde man sich aufregen, wenn die Fische wie gequälte Hunde, Schweine usw. schreien würden.
Lieber Dominique, ich wünsche mir, dass du da dran bleibst und wenn ich mich in irgendeiner Form beteiligen kann, kannst du auf mich zählen. Ich könnte mir vorstellen, dass Fischer und Tierschutz für einmal die gleichen Interessen haben.
Wir sind als Pächter von fünf Aare Revieren stark betroffen, stehen doch bei uns vier Wasserkraftwerke.
Markus Jurt, per E-Mail
Danke für euren Beitrag
Ich hatte schon lange nicht mehr im Kassensturz vorbei geschaut, aber grad heute doch wieder einmal. Dabei habe ich euren beherzten Appell betreffend dem Schutz der Aale gesehen und wollte mich von Herzen bei euch dafür bedanken. Solange es noch Menschen wie euch gibt, denen eben nicht alles gleichgültig ist und die sich so einsetzten, gibt es noch Hoffnung. Danke für euren Einsatz und dass ihr das Problem zur Sprache gebracht habt!
Sarah Henkler, per E-Mail
Anderen Strom produzieren?
Ich finde es gut, dass das Kraftwerk Schaffhausen so viel für unsere Natur macht. Aber ich finde es nicht in Ordnung, dass dabei so viel Fische sterben müssen!
Könnte man nicht anderen Strom produzieren? Zum Beispiel Sonnenenergie oder Windräder? Oder man baut Fischtreppen.
Jouri, 8 Jahre alt, per E-Mail
«Einfach reisserischer Journalismus?»
Dass absteigende Aale in Kraftwerkturbinen oft tödlich verletzt werden, ist ein bekanntes Problem, welches allen Verantwortlichen Sorgen macht und für welches weltweit Lösungen gesucht werden. Ich will weder den Sachverhalt bestreiten noch die üblen Bilder beschönigen, aber doch auf vier Punkte aufmerksam machen, die in Ihrem Artikel zu kurz gekommen sind:
- Kraftwerke sind grundsätzlich eine Belastung für die Umwelt. Sollte man da nicht eher diejenigen loben, die Kosten und Arbeit auf sich nehmen, um die Belastung möglichst klein zu halten oder durch Aufwertungsmassnahmen in der Umgebung auszugleichen?
- Eine Zertifizierung bedeutet selbstverständlich nicht, ein Kraftwerk sei ein Gewinn für die Umwelt, sondern einfach, es werde den heutzutage strengsten Massstäben gerecht. Zum Vergleich: Auch ein «umweltfreundliches» Auto, etwa ein Hybridfahrzeug oder ein «Tesla», belastet bei Herstellung und Betrieb die Umwelt, an Kühler und Windschutzscheibe finden ungezählte Insekten den Tod, und gelegentlich wird es eine Kröte oder einen Igel überfahren – ist es deshalb falsch, es lobend hervorzuheben gegenüber Konkurrenzprodukten, welche die Umwelt noch stärker belasten?
- Natürlicherweise gibt es im Bodensee nur wenig Aale – der Weg den ganzen Rhein hinauf ist für die meisten zu weit. Das Problem in seinem heutigen Ausmass ist eine Folge von unverantwortlichen massiven Aaleinsätzen – im klaren Wissen, dass keiner diese Fische je sein Laichgebiet erreichen wird.
- Was bezweckt der Artikel? Soll er Kraftwerke davon abhalten, sich um eine Zertifizierung zu bemühen und Verbesserungen anzustreben? Soll er Ökostrom-Kunden zum Ausstieg bewegen und damit die Finanzierung weiterer Aufwertungsmassnahmen (bisher sechs Millionen Franken durch das Kraftwerk Schaffhausen) unterbinden? Oder ist es einfach reisserischer Journalismus?
Ich bin stolz darauf, dass viele, Private und Firmen, den Mehrpreis für Ökostrom bezahlen. Sie ermöglichten damit umfangreiche Aufwertungsmassnahmen an «ihrem» Rhein und sorgen dafür, dass weiterhin nach Möglichkeiten gesucht werden kann, auch für den Aalabstieg eine Lösung zu finden.
Jakob Walter, ehem. Fischereiaufseher SH
Tierleid ist nicht konzessionierbar
Wir haben als Tierschutzorganisation die «tierquälerische Fischerei» am Blausee zur Anzeige gebracht.
Rund die Hälfte der Fischer – ganz offensichtlich Gelegenheitsfischer ohne Ausbildung – hatte die Fische unsachgemäss behandelt und nicht fachgerecht betäubt. Das kann so nicht weitergehen – das ist nicht nur tierschutzwidrig, sondern schadet auch dem Ansehen der Fischerei.
Die meisten Fischer und Jäger absolvieren heute aber umfangreiche Schulungen, wo neben den fachlichen Anforderungen auch der tierschutzgerechte Umgang mit den Beutetieren gelehrt wird.
Aus Tierschutzsicht ist ein fair gefischter Fisch und ein waidmännisch erlegtes Wild aus der Schweiz dem Fleisch von vielen Nutztieren, die unter fragwürdigen Bedingungen, womöglich im Ausland, leben mussten und dort geschlachtet wurden, in jedem Fall vorzuziehen.
Was hier aber am Rhein passiert, tagtäglich, wohl seit Jahren, ist wesentlich schlimmer!
Der langsame Tod tausender brutal verletzter Aale ist grauenhaft anzusehen – und nicht tolerierbar. Wir fordern deshalb, dass die Kraftwerke und die Wissenschaft alles daran setzen, dieser «konzessionierten» Tierquälerei schnellstmöglich ein Ende zu setzen.
Ansonsten ist solcher Strom nicht mehr mit einem Label wie «Naturemade Star», sondern als «Nature Destroyer & Animal Torturer»-Strom zu bezeichnen (da sitze ich doch lieber im Dunkeln!).
Rolf Frischknecht, Präsident, Dachverband Berner Tierschutzorganisationen
Licht ins Dunkel
Ich denke, das Beste was man in diesem Fall machen kann, ist die Tatsache von Fischgehacktem möglichst publik zu machen. Jeder, der sich in Grauzonen oder im Dunkeln bewegt, hasst, wenn Licht in die Sache kommt.
Darum viel Mut zum weiter Infos schreiben.
Adrian Bienz, Kommentar auf petri-heil.ch
So tut sich nichts
Hier wird der gutgläubige Verbraucher in die Irre geführt, welcher etwas Gutes für die Umwelt oder sein Gewissen tun möchte. Klar kommen durch Windkraftwerke Vögel und Fledermäuse zu Tode. Im Verhältnis haben sie jedoch mehr Möglichkeiten, die Rotoren zu umgehen. Man stelle sich mal vor, sämtliche Nordseeluft würde durch die Turbinen geleitet (wie der Rhein) und kein Vogel käme mehr an sein Ziel! Wenn alle anderen Kraftwerksbetreiber das Problem ebenfalls rheinabwärts schieben, tut sich mit dieser Argumentation wirklich nichts.
L. Kukk, Kommentar auf petri-heil.ch
