Im Jahr 1973, Bülach hatte gerade mal 7500 Einwohner, eröffneten Trudy und Walter Hirschmann ihr Fischereifachgeschäft im Herzen der Gemeinde. Mitte März 2017, Bülach hat 19 862 Einwohner, schliesst «Hirschmann Fischereiartikel» für immer.
«Klar, wir blicken einerseits mit Freude auf die Zeit, die auf uns zukommt und wo wir keine Verpflichtungen mehr haben mit unserm Laden, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass auch Wehmut mit dabei ist, jetzt aufzuhören.» Walter Hirschmann kam als junger Fussballer und Vertreter von Kopierern aus Bayern in die Schweiz. Später entschloss er sich, selbständig zu machen. Sein Fischereiartikelgeschäft ist schnell gewachsen und bei den Fischern in der Region bald zur festen Institution geworden. «Kein echter Fischer, der Hirschmann nicht kennt», wie uns gesagt wird.
Was ist eine Fliegenrute?
Seit sie vor 55 Jahren geheiratet haben, machen Walter und Trudy Hirschmann alles zusammen. So war es für Trudy selbstverständlich, auch im Fischereigeschäft tatkräftig mit anzupacken, auch wenn sie anfangs praktisch nichts übers Fischen wusste. Und hat so auch sie einiges erlebt: «Das erste Mal, das ich alleine im Geschäft war, kam ein Kunde herein und sagte mir, dass er gerne eine Fliegenrute kaufen würde. Ich wusste damals doch noch nicht, was eine Fliegenrute war, und so ging ich mit ihm erstmals zum Rutenständer.» Der Retter in der Not sei dann ein anderer Kunde gewesen, der zufälligerweise anwesend war und sich, nachdem er ihr Elend bemerkt hatte, rührend um den Kunden kümmerte. «Dieser kam dann übrigens immer wieder!»
Geschichten aus alter Zeit
Die sympathischen Hirschmanns verstehen es, spannende Geschichten aus vergangenen Zeiten zu erzählen, wir kleben förmlich an ihren Lippen. Hören gespannt zu, wie ein mittlerweile pensionierter Schulkommandant jeweils seine Fischer-Sachen auf dem Nachhauseweg im Geschäft gekauft hatte. Oder wie einer der reichsten Zürcher nur das Teuerste kaufen wollte und er, Walter Hirschmann, ohne ihn zu kennen, ihm das wieder ausredete. Weil dieser die Sachen einfach nicht brauchte. «Ich wollte immer nur, dass der Kunde zufrieden ist und das Richtige kauft. Selbst wenn dies bedeutete, dass er weniger und günstigere Artikel erstand. Dieser Grundsatz habe sich über die Jahre bewährt: «Zuerst kamen die Väter zu mir, dann ihre Söhne, und zuletzt sogar ihre Enkel. Aber alle kamen sie zu mir, teils auch von weit her.» So etwas mache stolz, sagt Walter.
Mitte März ist Schluss
Schade, dass kein Nachfolger gefunden werden konnte. «Interessenten waren zwar da, aber es kam nicht zum Verkauf. Heute geben halt die Banken keine Kredite mehr für den Kauf von Geschäften», erklärt Walter Hirschmann.
So verkauft er das, was er noch an Material hat, mit 30 bis 50 Prozent Rabatt. Mitte März schliessen sich dann die Türen für immer, und andere Ziele werden ins Visier genommen: «Australien wollten wir immer schon bereisen, wissen aber nicht, ob wir das noch schaffen. Aber sicher gehen wir mal noch zusammen in mein Lieblings-Fischerland: Irland. Trudy war nämlich noch nie dort.»
Dominique Lambert

Ati 6. März 2017
alles gute für die Zukunft und ein grosses Petri Heil geniest euern Ruhestand
Boller Hans Bachs 7. März 2017
Wünsche euch beiden von ganzem ? viel Gesundheit und in Australien nur Sonnenschein und in Irland kein Regen…..?