Auf den ersten Blick scheint China weit davon entfernt, zu den globalen Ausbeutern der weltweit zur Verfügung stehenden Nahrungsressourcen zu gehören. Aber ist dies auch tatsächlich so?
Die Zeitschrift «Fish and Fisheries» untersuchte umfangreiches Datenmaterial und kam zu einem erstaunlichen Ergebnis. Tatsächlich fischt das Reich der Mitte zwölfmal mehr Fisch aus den Weltmeeren als angegeben (4,6 Mio. Tonnen statt 368 000 Tonnen). Illegal ist das Vorgehen der Chinesen dabei keineswegs. Was an Fisch unter chinesischer Flagge aus den Meeren gezogen wird, die ausserhalb der chinesischen Hoheitsgewässer liegen, entspricht den gemeldeten 368.000 Tonnen. «Fish and Fisheries» rechnete jedoch auch Schiffe mit ein, die aus chinesischen Besatzungen bestehen, aber unter Flaggen anderer Nationen fahren. China hat sich über geheime Vereinbarungen mit bestimmten afrikanischen Küstenstaaten weitere Fanggebiete erschlossen, in denen das Reich der Mitte mit eigenen Schiffen und Besatzungen, jedoch unter fremder Flagge, die dortigen Fischgründe befischt. Einen Grossteil der Erträge erzielen die Chinesen vor der westafrikanischen Küste. Dort ziehen sie gleichviel Fisch aus dem Meer wie alle 22 westafrikanischen und 38 weitere dort aktive Staaten zusammen. Die Auswirkungen auf die Fischbestände und die davon abhängigen Küstenbewohner sind gravierend.
Alexander von Burg
