Dass die Interessen von Sport- und Berufsfischern nicht immer deckungsgleich sind, ist kein Geheimnis. Weil man irgendwie trotzdem im gleichen Boot sitzt, zeigten sich zumindest die Sportfischer lange Zeit solidarisch. Verschiedene Forderungen von Seiten der Berufsfischer bedrohen nun diese Zweckgemeinschaft am Bodensee.
Die internationale Arbeitsgemeinschaft der Bodensee Sportfischer (IABS) schreibt es in ihrer Pressemitteilung der Delegiertenversammlung von Oktober 2014 ganz klar: Angelfischer stehen für nachhaltige Fischerei am Bodensee.
Der See hat sich aus Sicht der Angelfischer in den letzten Jahren durchaus positiv entwickelt. Er wird immer «sauberer» und auch in grösseren Tiefen wieder sauerstoffreicher. Für den Bodensee typische Fischarten, wie Saiblinge und Felchen können ihre angestammten Lebensräume in tieferen Wasserschichten wieder besiedeln. Nach neusten Untersuchungen funktioniert bei vielen sensiblen Fischarten die Naturverlaichung sogar immer besser.
Ertragsrückgang bei den Berufsfischern
Die sinkenden Erträge der Berufsfischer wurden in der jüngsten Vergangenheit fast ausschliesslich mit den fehlenden Nährstoffen begründet. Die internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB) hat sich allerdings eindeutig gegen eine Erhöhung der Nährstoffkonzentration ausgesprochen. Auch aus der Politik sind keine ernsthaften Anzeichen zu erkennen, dass es dafür zukünftig eine Zustimmung geben könnte.
Im Moment begegnet man den Ertragsrückgängen bei den Berufsfischern vor allem mit Lockerungen der Vorschriften. Die Verkleinerung der Maschenweite bei Fischernetzen und diverse Ausnahmeregelungen zur Befischung der Bestände während der Laichzeit sind für viele Angelfischer nur schwer nachvollziehbar.
Verursacherprinzip?
Werner Korsch, Präsident des Sportfischervereins Altenrhein, stellt ausserdem ein grosses Ungleichgewicht zwischen den Einnahmen aus Patentverkäufen und dem Fangertrag der Sport- und Berufsfischer fest. In einem Artikel des St. Galler Tagblatts vom 8. Dezember 2014 präsentierte er dazu eindrückliche Zahlen. Das Thema scheint vielen Sportfischern unter den Nägeln zu brennen – dementsprechend gross war das Echo auf den Bericht.
nvb
Das Mass ist voll
Sportfischer sind in der Regel wortkarg und geduldig. Doch jetzt ärgert sich Werner Korsch im Namen seiner Zunft: «Das Sprichwort, ‹wer zahlt, befiehlt› gilt am Bodensee nicht.» Die Behauptung untermauert der Präsident des Sportfischervereins Altenrhein mit Zahlen: Sämtliche Patentarten berücksichtigt, zahlt ein Angelfischer 90 Franken pro Jahr. Das ergibt bei 13 000 Sportfischern rund um den See 1,2 Millionen Franken. Bei den Berufsfischern kommt der 68-jährige St. Galler auf 775 Franken pro Jahr plus 125 für ein Trappnetz-Patent, eine Art Reuse. Zusammen sind das 900 Franken pro Kopf, was bei 112 Berufsfischern rund um den See 100 800 Franken ergibt. Umgekehrt proportional sieht es bei den Fangerträgen aus: Den Berufsfischern gehen 90 Prozent (465 Tonnen) der Fische ins Netz, an den Haken der Sportfischer hängen 10 Prozent (50 Tonnen). Auf die Patentpreise umgerechnet, kostet das Kilo Fisch den Sportfischer im Schnitt 24 Franken, den Berufsfischer lediglich 22 Rappen.
Immer weniger Angelplätze
Seit 17 Jahren schon steht Werner Korsch dem 1947 gegründeten Sportfischerverein Altenrhein vor. Und noch nie hat er sich an die Öffentlichkeit gewandt. Jetzt tut er es – für die Angelfischerei, sein liebstes Hobby. Ihm frönt der pensionierte Ausrüstungschef im Zeughaus St. Gallen seit 58 Jahren. «Es ist nirgends schöner am Bodensee als in Altenrhein, im Schnittpunkt von Naturschutzgebiet, Zugvogelrouten und dem eigenen Bootshafen mit 120 Plätzen.
Hier trifft er auch auf Berufsfischer, doch mit ihnen hat Korsch immer weniger am Hut. «Nicht nur, dass es in Altenrhein immer weniger Angelplätze für uns gibt, auch der Umgangston der Berufsfischer wird immer gehässiger.» Während die 13000 Angelfischer im immer sauberer werdenden Bodenseewasser eine positive Entwicklung sehen – unter anderem könnten viele typische Fischarten wieder in angestammten Lebensräumen in tieferen Wasserschichten siedeln – heisse es bei den Berufsfischern seit Jahren nur noch: «Zu viele Kormorane, zu wenig Nährstoffe, zu geringe Fänge.»
Maschenweite verringert
«Ich kann diese Leier nicht mehr hören», sagt Korsch. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat einer der Beschlüsse, die am Gipfeltreffen der Angelfischer in Friedrichshafen gefällt wurden. Die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei lässt ab 2015, befristet auf drei Jahre, Schwebenetze mit 38 Millimetern Maschenweite zu. «Damit ziehen die Berufsfischer auch noch die kleinen Felchen raus. Das hat Folgen für die Entwicklung der Hauptfischart im See – damit fehlt nämlich eine Generation.»
Auch Karl Greyer, der Vorsitzende der 23 Sportfischervereine am See warnt: «Die Verringerung der Maschenweiten führt langfristig zu weiteren Ertragsrückgängen.» Genervt doppelt Werner Korsch nach: «Am Schluss geben wir den Berufsfischern noch ein Salatsieb, damit sie alles, was im See schwimmt, herausziehen können.»
Wieder Schonzeit für den Hecht?
Dass die Berufsfischer mit drei weiteren Forderungen, unter anderem nach mehr Nährstoffen im See, abgeblitzt sind, mache die Sache auch nicht besser. «Unsere standesethischen Ansichten gehen immer mehr auseinander. Wir wollen die 1999 ausgesetzte Schonzeit und das Schonmass für den Hecht wieder einführen», sagt Korsch. «Und wir Angelfischer sind für die natürliche Verlaichung von Felchen und Saiblingen. Die Wasserqualität im Bodensee und der Sauerstoffgehalt im Tiefenwasser begünstigen das. Wir wollen keinen Mastbetrieb in den Fischzuchtanlagen, sondern den Fokus auf die Artenvielfalt in Flüssen, Bächen und Seen richten.» Selbst wenn Berufsfischer und Angelsportler je länger, je mehr nicht mehr im gleichen Boot sitzen, in einem Punkt finden sie sich: «Nichts gegen die Kormorane, aber die sind heute europaweit eine Plage, weil sie sich praktisch unkontrolliert vermehren. Da muss man was tun.»
Christoph Zweili, St. Galler Tagblatt


Christian Koller 12. März 2015
Also ich bin seit Kindesalter, schon über 40 Jahre Angelfischer am See und ich möchte mich dem Bericht vollinhaltlich anschließen!!!
Ich bin der Meinung, daß man die Patente für sogenannte Berufsfischer stark beschränken sollte, oder in den nächsten Jahren überhaupt keine beruflich organisierte Fischerei mehr zulassen sollte!
Es wäre wieder friedlich am See, denn die Angelfischer freuen sich über den sauberen See und wir können auch damit Leben, nicht mehr soviel wie in früheren Zeiten zu fangen, da wir keinen betriebswirtschaftlichen Druck haben, sondern nur die Erholung mit einem gelegentlichen Fisch suchen!
Ohne Berufsfischer hätten wir in ein Paar Jahren auch wieder mehr Fische im See, es wären wahrlich himmlische Zeiten!
Den sogenannten „Berufsfischern“ sollte eine Möglichkeit geboten werden, in einen anderen Beruf umzuschulen….
Mit freundlichem Petri-Gruß aus Bregenz, Christian Vonach.