Lieber Herr Grabher Mit grossem Interesse habe ich Ihre Reportage gelesen. Als alter, erfahrener Rheinfischer – ich fische schon 52 Jahre im St. Gallischen Rhein – muss ich Ihnen voll und ganz recht geben.
Dass die Sportfischer des Rheins seit Jahren klagen, ohne dass die verantwortlichen Behörden reagieren, ist eine alte Tatsache. Es stimmt, dass der Alpenrhein fischereilich total am Ende ist. Diese Erkenntnis wird sich noch längere Zeit nicht ändern.
Wenn die Behörden für Projekte Geld investieren müssen, so herrscht grosses Schweigen… In den 1950er- und zum Teil bis Mitte der 1960er-Jahre konnte zwischen Reichenau und St. Margrethen mit gutem Erfolg auf Seeforellen, Äschen und auch Regenbogenforellen gefischt werden.
Dann wurde der Rhein durch das Kraftwerk Reichenau/Tavanasa gestaut und schlagartig gingen die Fangquoten massiv zurück. Auf die Interventionen der Fischereivereine bei den Verantwortlichen des Kraftwerks wurde nicht oder nur fadenscheinig reagiert.
Zum Schwallbetrieb: Es kommt tatsächlich vor, wenn man auf einer Sandbank fischt und den Wasserstand des Flusses nicht beobachtet, dass man sich dann fast bis auf die Unterwäsche ausziehen muss, um noch ans rettende Ufer gelangen zu können. Mir ist das in Buchs bei der Eisenbahnbrücke passiert.
Aber der Fischrückgang ist nicht nur auf Schwall und Sunk zurück zuführen. So dürfen gemäss bundesrätlichem Entscheid seit bald 15 Jahren keine Regenbogenforellen eingesetzt werden. Dieser Entscheid wurde hinter dem Rücken des Volkes und der Rheinfischer gefällt.
Nicht nur die wechselnden Wasserstände im Rhein machen den Fischen das Leben schwer, via Illmündung spülen die Illwerke immer wieder ihre Stauwerke und Stollen. Eine dicke Brühe läuft dann jeweils den Rhein hinunter. Der Rhein wurde zugunsten der Stromgewinnung zu einer Fischwüste umfunktioniert.
Schade, leider kommt heute zuerst das Geld und dann die schöne Natur zu der auch der Rhein gehört!
Bruno Bättig, 9435 Heerbrugg
