Editorial zu «Petri-Heil»9/2016
Das mit dem Fischrückgang in unserm Land ist so eine Sache: Wird er auf die allgemeine Klimerwärmung bezogen, zucken unsere Politiker von links bis rechts mit den Schultern und stammeln Phrasen wie «Mir sind leider die Hände gebunden, das ist ein globales Problem…» Klar ist der Einfluss, den wir als Schweiz haben, nicht wirklich gross. Und trotzdem: Jemand muss einfach mit dem Umdenken beginnen und anfangen, gewisse Sachen zu verändern, zu verbessern.
Aber wie sieht die Sache aus, wenn man beim Thema «Fischrückgang» in eine andere Richtung schielt. Nämlich in diejenige des Fischrückgangs aufgrund des Nahrungsangebots: Jährlich werden in unserm kleinen Land über 2000 Tonnen hochaktive Pestizide in die Umwelt eingeleitet, 85 bis 90 Prozent durch die Landwirtschaft.
Dass die Wirksamkeit dieser Gifte nicht aufhört, wenn der Regen sie in die kleinen Bäche spült, von wo aus sie in die grösseren Bäche, Flüsse und Seen fliessen, dürfte jedem von uns klar sein.
So tötet dieses Gift schlussendlich die kleinsten Lebewesen in unseren Gewässern – und damit die Nahrungsgrundlage vieler der im Wasser lebenden Tiere. Und wo kein Futter mehr ist, verschwinden bald einmal auch die Fische…
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass es früher mehr Insektenarten und damit auch Insekten gab?
Warum hier auf Ebene Politik kein Riegel geschoben wird, liegt auf der Hand: Die stärkste Lobby, die es in Bern gibt, ist diejenige der Bauern. Wenn es um die Interessen der Landwirte geht, spannen deren Volksvertreter aller Couleur zusammen. Dazu kommt, dass in diesem Falle auch die Chemie-Lobbyisten in der Wandelhalle sind und die Volksvertreter zu lässigen Anlässen einladen. Ganz ohne Hintergedanken natürlich… Ein Schuft, wer hier etwas anderes denkt!
Zu guter Letzt schwenkt auch der Bundesrat auf die «Bauern-Chemie-Schiene» ein, sodass munter weiter Gift verspritzt werden darf. Schliesslich will mans sich mit den Politikern nicht verscherzen, die einen alle vier Jahre wählen…
Immer, wenn ich höre, dass unsere Umwelt wegen der Profit- und Machtgier benachteiligt wird, fällt mir unweigerlich die alte Weisheit der Cree-Indianer ein: «Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr erkennen, dass man Geld nicht essen kann…»
Trotzdem ein kräftiges Petri Heil
Dominique Lambert, Chefredaktor

A.v.Doorn 29. August 2016
Grüezi Herr Lambert
Wie wahr ist Ihr Bericht, doch dies betrifft nicht nur die Gewässer und somit die Fischen, sondern alles Leben! Doch solange der Mensch sein Finger in der Brei hat und über Leben und Tod entscheidet, wie beim Wolf, Bär etc., wird sich nie etwas ändern.
Nur wenn der Mensch bereit ist sich zu ändern und dies auch tut, kann er die Welt ändern, aber im Sinne der Natur!
Doch wie heisst es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt! Meine Hoffnung besteht darin zu glauben, an die Gerechtigkeit der Natur, denn sie hat viel Macht…!
stibu 29. August 2016
Denkt beim nächsten Einkauf doch bitte dran !
Ihr wollt doch alle 100% perfektes Obst und Gemüse. Ich bin selber Landwirt und auch Fischer. Ich spritze mit aller sorgfalt und nur soviel nötig ist. Wenn ich Obst abgeben will mit kleinen Mängel kann ich es wieder mit heim nehmen und kompostieren !
Barsch Angler 30. August 2016
Guter Bericht! Bei uns am Hallwilersee wurden 1997 gegen 80’000kg Felchen gefangen. Im Jahre 2015 waren’s noch 5’000kg, Faktor 16 also! Klar ist das ein komplexes Problem, welches nicht auf einen einzelnen Verursacher zurückzuführen ist. Aber Fakt ist, dass dieses Schlamassel ohne Eingriff der Menschen nie stattgefunden hätte.
U. Siegenthaler 30. August 2016
Sehr geehrter Herr Lambert,
dass die Pestizidproblematik nicht auf die leichte Schulter genommen darf, ist mir als Landwirt und sehr aktivem Fischer klar und als zusätzlicher Auftrag, schon vor längerer Zeit, entgegengenommen worden.
Warum aber wird immer auf den Landwirten herumgetrampelt?
Wenn wir nichts mehr produzieren können, wo kommen dann unsere Lebensmittel her?
Leider ist eine Landwirtschaft ohne Chemie nicht mehr möglich, auch nicht auf Biologischem Weg. Es sind längst viel zu viele Esser auf unserem Planeten!
Dazu fehlt uns die nötige Produktionsfläche. Ohne Düngung und Pflanzenschutz bräuchten wir mehr als die doppelte Fläche um Ertragsminderungen und Schäden durch Krankheitsbefall und Insektenfrass zu kompensieren. Die ist allerdings längst überbaut. Warum und wofür weis jeder selber.
Es ist immer Einfach, alles in einen Kübel zu schmeissen und dann von Lobbyisten, Gier und Dummheit zu schwafeln.
Die bessere Weg wäre allerdings, keine Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, dann wäre nach 30 Tagen Ruhe.
Die Insekten könnten dann das Regime übernehmen und …aber das werden sie ja sowieso.
Im Prinzip stimme ich Ihnen zu.
Auch die Indianer mussten Holz hacken und jagen um satt zu werden, aber sie hatten Platz, den wir heute nicht mehr haben.
Damit wäre wohl auch klar, was die Probleme sind. In dieser Sache gibt es leider wohl keine schnelle Lösung.
Der Weg ist das Ziel und die gesamte Landwirtschaft ist dabei, die Pestizidwoge zu reduzieren.
Bund und Kantone sind dabei Programme auszuarbeiten, um uns Bauern zu helfen, die Hilfsstoffe zu reduzieren.
Helfen Sie uns auch und machen Sie sich auch in dieser Richtung schlau, dann ist allen geholfen.
Mit freundlichen Grüssen, U. Siegenthaler.
Jakob Walter 31. August 2016
Vollkommen einverstanden! Jetzt warte ich noch auf den Artikel gegen die Fliegerei der Fischer, z. B. nach Alaska, und das nicht einmal im Leben, sondern möglichst jedes Jahr! Immerhin sollten auch Fischer wissen, dass Fliegen die Klimaerwärmung beschleunigt.
Zander Simon 1. September 2016
Mit lässigen Anlässen von Volksvertretern kennen Sie sicj ja bestens aus Herr Lambert. Danke, dass Sie Ihre Vergangenheit ruhen lassen und sich für unsere Fischerei einsetzen – wie es sich gehört.