Da wo gerade noch der Köder war, ist jetzt ein Strudel. Das Wasser schäumt. Anschlag! Daneben. Das Herz schlägt schneller, noch ein Zupfer… noch einer – Wumms. Schlaffe Schnur! Selbst Fehlbisse fördern bei Oberflächen-Attacken die Durchblutung.
Neben Poppern bringen vor allem Stick- und Propbaits, Oberflächenwobbler und sogenannte Crawler, die Raubfische in Rage. Geräusche, Luftblasen, Wasserverwirbelungen, Wedel- und Zuckbewegungen verleiten die Fische dazu, bei der Jagd die Wasseroberfläche zu durchbrechen.
Die Topzeit für «Topwaters» beginnt mit Erwärmung des Wassers im Mai, wenn sich die Egli und Hechte über Krautfeldern oder vor Schilfgürteln aufhalten. Im Sommer findet das grosse Fressen sehr früh morgens und in den Abendstunden statt. Dass die Topwaters dann so gut funktionieren, liegt unter anderem daran, dass nun auch die Kleinfische gebündelt nach oben streben um dort nach den frisch geschlüpften Eintagsfliegen zu schnappen Die Raubfische haben sich zu dieser Zeit auf oberflächenaktive Beute eingeschossen. An Gewässern mit einem guten Rapfenbestand ist das weder zu überhören, noch zu übersehen. Spektakulär ist auch das Oberflächenfischen auf Egli, wenn sie in grossen Schwärmen Kleinfische an die Oberfläche treiben und über diese herfallen. Diese «Eglihatzen» finden im Freiwasser oder über den sogenannten «Barschbergen» auf vielen Seen statt.
Popper
Popper zeichnen sich durch eine mehr oder weniger ausgeprägte Ausbuchtung im Maulbereich aus. Wenn man den Köder anruckt, wird die sich in dieser Öffnung befindende Luft unter Wasser gezogen. Das führt zu einem deutlich wahrnehmbaren «Ploppen», das die Aufmerksamkeit der Raubfische auf den Köder lenkt.
Vor einem durch einen Popper erzeugten Geräusch-Orkan nehmen meist auch die tollkühnsten Hechte Reissaus. Fein dosierte Rucke aus der Rutenspitze sind meist effektiver als brachiale Schläge. Einzelnen «Pops» oder mehreren Zupfern hintereinander folgen zwischen zwei und vier Sekunden lange Stopps. Die Bisse kommen dann meist, wenn der Köder bewegungslos auf der Oberfläche liegt.
Besonders Rapfen wissen es manchmal auch zu schätzen, wenn der Popper einfach über die Wasseroberfläche fetzt und dabei das Wasser in alle Richtungen wegdrückt.
Bei Poppern, bei denen die Unterlippe deutlich kürzer ausfällt als die Oberlippe, bewirken kurze Twitches, dass der Köder das Wasser eher spuckt als «ploppt».
Propbaits
Propbaits haben entweder einen Propeller am Köderende vor dem Enddrilling oder einen Propeller am Kopf und einen vor dem Enddrilling. Mit diesen das Licht reflektierenden Werkzeugen schäumen sie das Wasser auf und hinterlassen eine Spur mit Luftbläschen.
Kleinere Propbaits sollen keine Fische imitieren, sondern ins Wasser gefallene XXL-Insekten. Ihren Kampf gegen das Ertrinken ahmt man mit ein paar ganz zarten Twitches nach, auf die immer eine Ruhepause folgt. Der Köder darf sich nicht zu weit von der Stelle bewegen, damit die Fische das Plastik für einen dicken Brummer halten.
Besonders Rapfen reagieren oft hervorragend auf die Bläschenkette, die ein rasant eingekurbelter Propbait im Wasser hinter sich herzieht. Stopps und gelegentlich eingebaute Twitches erzeugen eine lebensechte Dynamik, die die Fische dann letztendlich überzeugt.
Manchmal liegt die Wahrheit aber auch irgendwo zwischen diesen beiden Vorgehensweisen. Dann ist es zum Beispiel ein Mix aus kurzen Sprints, längeren Stopps und Phasen, in denen man den Köder dezent twitcht.
Stickbaits
Topwater-Stickbaits sehen entweder aus wie Zigarren oder wie nur zum einen Ende hin verjüngte Bananen. Die Öse sitzt bei den meisten Modellen nicht ganz vorne an der Schnauze, sondern etwas unterhalb. Ursprünglich wurden sie dafür konzipiert, Schwarzbarsche und nordamerikanische Hechtarten aus den Krautfeldern an den Haken zu locken. Bei uns fangen sie vor allem Hechte, Rapfen und Egli.
Der klassische Führungsstil nennt sich «walking the dog». Denn wie der Schwanz eines Dackels soll der Köder auf der Wasseroberfläche hin- und herwedeln. Das erreicht man am besten, indem man die Rute vor sich aufs Wasser richtet (5-Uhr-Position). Die Schnur ist gespannt. Dann bringt man die Rute in die 4 Uhr Position. Jetzt kommt der Zupfer nach unten. Wenn man parallel zu dieser Rutenbewegung etwas Schnur aufnimmt, kann man direkt weitermachen und dieses Schema solange durchziehen, bis der Köder vor den Füssen ankommt. Bei guten Stickbaits geht das sehr einfach. Wie bei den Jerk- und Twitchbaits gilt: Je schlaffer die Schnur vor dem Anrucken, desto weiter bricht der Köder zur Seite aus.
Beim Rapfenfischen ist ein weites Ausbrechen allerdings nicht erwünscht. Das Anvisieren des schnell geführten Stickbaits fällt Ihnen bedeutend einfacher, wenn der Köder weniger stark ausbricht und dafür mit relativ hoher Geschwindigkeit eingeholt wird. Die Twitches gehen also am besten in die straffe Schnur, so dass der Köder nur dezent mit seinem Körperende wackelt.
Manche Stickbaits lassen sich einfacher führen, wenn man sie unten an der Öse fest anknotet. Damit der (Grinner-)Knoten nicht verrutscht, weisen einige Köder eine oder mehrere Kerben im Frontöhr auf.
Oberflächenwobbler und Crawler
Crawler arbeiten nach dem Verdränger-Prinzip: Mit ihren metallenen Auflageflächen oder Flügeln verdrängen sie Wasser und geraten so ins Straucheln. Bei den meisten Oberflächenwobblern steht die Tauchschaufel im 90-Grad-Winkel zum Körper, so dass sie dem vollen Wasserdruck ausgesetzt ist, den Köder oben hält und ihm eine lebhafte Aktion verleiht.
Beide Ködertypen sind sehr einfach zu bedienen. Crawler wedeln beim einfachen Einkurbeln mit erhobener Rutenspitze (1-Uhr-Position) automatisch über das Wasser. Gelegentliche Spinnstopps und Sprints initiieren oft den Angriff. Oberflächenwobbler werden entweder in verschiedenen Geschwindigkeiten gleichmässig eingezogen, getwitcht oder im Stopp- & Go-Modus präsentiert.
Fehlbisse & Nachläufer
Beim Oberflächenfischen kommt es häufiger zu Fehlbissen als bei den meisten anderen Angelarten. Zum einen liegt das daran, dass die Fische den Köder anscheinend nicht so gut anpeilen können. Zum anderen ist man darauf trainiert den Anhieb in dem Moment zu setzen, in dem man eine Attacke wahrnimmt. Das ist bei dieser Fischerei schon der Fall, sobald ein Verfolger die Wasseroberfläche durchbricht. Mit einem verfrühten Anhieb zieht man den Fischen also den Köder gerade noch vorm Maul weg und verhindert somit aktiv, dass der Fisch den Haken erreichen kann. Deshalb saust die Rute am besten erst nach hinten, wenn sich der Räuber mit einem Schlag in die Rute «anmeldet».
Prinzipiell gibt es bei Fehlbissen zwei Reaktionsmöglichkeiten, die beide richtig sein können. Es gehört also immer auch etwas Glück dazu, die richtige Entscheidung zu treffen. In einem guten Teil der Fälle attackieren die Fische den Köder ein zweites Mal, wenn er seinen Gang übers Wasser unbeeindruckt fortsetzt oder sogar fluchtartig beschleunigt. Die zweite Möglichkeit ist, den Köderlauf kurz zu unterbrechen und den Räubern ein durch die Attacke verwundetes oder orientierungsloses, angeschlagenes Fischchen vorzugaukeln. Der Biss kommt dann meistens, wenn der «Toppi» wieder Fahrt aufnimmt.
Die richtige Hardware
Harte und schnelle Spinnruten eignen sich für das Oberflächenfischen am besten. Das optimale Wurfgewicht hängt in erster Linie von der Ködergrösse ab. Ruten von 1,8 bis 2,1 m mit einem Wurfgewicht von etwa 25 Gramm für Egli, 1,9 bis 2,4 m mit einem Wurfgewicht von etwa 40 Gramm für Rapfen und 1,8 bis 2,4 m mit einem Wurfgewicht von etwa 80 Gramm für Hecht, sind eine gute Richtlinie. Je nach persönlicher Vorliebe benutzt man eine entsprechende Stationär- oder Baitcasterrolle.
Die Schnur muss schwimmen! Monofile, unbeschichtete Geflochtene und Fluorocarbon sinken. Das ist schlecht zum Oberflächenfischen! Denn der Schnurbogen zwischen Rutenspitze und Köderöhr verhindert, dass sich die Rutenbewegungen direkt auf den Köder übertragen. Deshalb kommt für die meisten Oberflächen-Spezialisten nur eine beschichtete Geflochtene in Frage, an die ein etwa 1 bis 1,5 Meter langes Stück Fluorocarbon geknüpft wird. Da dicke Schnur verhindert, dass sich die Drillinge beim Auswerfen in die Schnur wickeln (Würfe abbremsen), darf dieses Vorfach etwas dicker als gewöhnlich ausfallen (0,24 bis 0,40 mm). Zum Hechtfischen mit grossen Stickbaits eignet sich Hardmono oder Titan besser als flexibles 7x7er-Stahl, in das sich die Sticks einwickeln würden (genauso wie bei Jerkbaits).
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Hakenqualität. Da die Fische die Oberflächenköder in ihrer Wut manchmal nicht so einfach anpeilen können, kommt es immer wieder vor, dass sie von aussen gehakt werden. Wer diese Kamikaze-Piloten fangen will, sollte die Haken am Köder regelmässig prüfen und gegebenenfalls gegen ultrascharfe Exemplare austauschen. Die neuen Haken sollten aber gleich gross wie die alten sein, da Haken- und Ködergrösse zusammenpassen müssen.
Johannes Dietel









Christian 4. September 2016
Aber Vorsicht ! Die Oberflächenfischerei auf Sicht ist nichts für herzschwache oder herzkranke Angler.
Wenn der Köder attackiert wird herrscht allerhöchste Herzinfarkt Gefahr. Durfte ich am eigenen Leib schon mehrfach erleben. Petri