Dass Fische möglicherweise Schmerzen empfinden, weiss man schon seit einiger Zeit – dass man mit Fischen so oder so möglichst sorgsam umgehen muss, ist zumindest für die grosse Mehrheit der Fischer seit jeher völlig klar. Einige Kreise versuchen trotzdem unentwegt die Angelfischerei einzuschränken.
Als Fischer versprach man sich viel von der Pressekonferenz der Eidgenössischen Ethikkommission für Biotechnologie im Aussenhumanbereich (EKAH) in Bern am 1. Dezember. Ein Bericht zum Thema «Ethischer Umgang mit Fischen» war Grund für die Einladung. Man erwartete, dass die Ethikkommission die Überfischung der Weltmeere anprangert und hoffte, dass Kleinkraftwerke, Sunk- und Schwallbetrieb, sowie die Zerstörung von Fischlebensräumen als Tierquälerei bezeichnet werden. Soviel vorweg: Als Fischer wurde man bitter enttäuscht!
Die 35 Seiten des abschliessenden Berichts beschäftigen sich hauptsächlich mit dem Schmerzempfinden von Fischen und ihrem moralischen Wert. Dazu kommen praktische Folgen, beziehungsweise Empfehlungen, für den ethischen Umgang mit Fischen. Im Bericht wird wiederholt darauf hingewiesen, dass sich die Mitglieder der EKAH in sehr entscheidenden Punkten nicht einig sind.
Die Themen Schmerzempfinden und moralischer Wert von Fischen enthalten nur wenig bis gar nichts Neues. Dass die Wissenschaft in der Schmerzfrage nur sehr schleppend vorankommt, erstaunt nicht. Dass Thema ist wahnsinnig komplex und die «Forschungsergebnisse» lassen meistens mehrere Interpretationen zu.
Aussagekräftig sind deshalb vor allem die daraus resultierenden Empfehlungen der Kommission. Diese betreffen natürlich nicht nur den Fischfang, sondern auch die Hälterung, die Zucht und Tierversuche.
Fische essen soll möglich bleiben
Eine Minderheit der EKAH fordert ein generelles Verbot des Fischfangs. Die Mehrheit vertritt hingegen die sogenannte Güterabwägung: Fische dürfen gefangen werden, wenn der «Nutzen» des Fangs höher einzustufen ist als die Beeinträchtigung des Tierwohls. Das ist ziemlich genau das, was im Schweizer Gesetz steht! Ein rein profitorientiertes Interesse rechtfertigt für die Mehrheit der Kommission den Fischfang nicht. Ausserdem wird eine schmerzfreie Tötung gefordert. Schwammiger gehts nicht!
Statt sich wirklich eingehend und kritisch mit den moralischen Abgründen der kommerziellen Fischerei auseinanderzusetzen, gerät im EKAH-Bericht erstaunlicherweise die Angelfischerei ins Visier der Ethiker. In Anbetracht der zahlenmässig betroffenen Fische ist diese Gewichtung ein wenig fragwürdig. Die Tatsache, dass die Empfehlungen einer Ethikkommission die mächtige Lobby der kommerziellen Fischerei kaum beeindrucken, ist eine mögliche Erklärung.
SaNa-WK?
Bei der Angelfischerei werden dann die Forderungen der Ethiker um einiges konkreter. Die Kommission empfiehlt einstimmig, dass die Ausbildungsunterlagen für den Sachkundenachweis regelmässig mit den neusten Forschungsergebnissen harmonisiert werden sollen. Zusätzlich wird von der EKAH empfohlen, dass die von der SaNa-Pflicht entbundene Tageskartenfischerei abgeschafft wird.
Ok. Und nun wird es (endlich) wirklich interessant: «Zudem sollen die zum Erwerb von Fischerlizenzen notwendigen Fachkenntnisse regelmässig kontrolliert werden.» Was heisst das? SaNa-Wiederholungskurs mit Prüfung einmal pro Jahr? Die Wissenschaftler kommen nicht wirklich voran, möchten aber, dass die Fischer den alten Zopf regelmässig durchkauen. Jeder Fischer weiss, wie er einen Fisch töten muss – allzu kompliziert ist die Sache ja nicht.
Ein wilder Fisch der in einem Schweizer Gewässer von einem Fischer mit der Rute gefangen und anschliessend getötet wird, zieht wahrscheinlich das beste Los aller Fische, die von Menschen verspiesen werden. Zudem beschäftigen sich die Fischer schon lange und intensiv mit den ethischen Aspekten ihres Hobbys. Der Schweizerische Fischerei-Verband SFV hat zu dem Thema schon längst einen Ethik-Kodex verfasst, an den sich die überwiegende Mehrheit der Schweizer Fischer hält. Wieso soll gerade diese nachhaltige und selektive Art der Fischerei nicht gefördert, sondern weiter eingeschränkt werden?
nvb
Was denken Sie? Sollte die Angelfischerei stärker reglementiert werden. Würde Ihnen und/oder den von Ihnen gefangenen Fischen ein obligatorischer regelmässiger SaNa-Wiederholungskurs helfen? Wie stehen Sie zur SaNa-Pflicht für alle Patentarten (auch Tageskarten)?
Der Bericht «Ethischer Umgang mit Fischen» steht auf www.ekah.ch zum Download bereit.

Galli Hanspeter 4. Dezember 2014
Diese Ethikkommission ist eh weg von gut und böse. Es gilt nur, was sie denken, es sei richtig.
Eine Auffrischung der Fachkenntnisse finde ich auf freiwilliger Basis richtig. Allerdings sollten diese sich auf Verhaltensweisen, Kenntnis und tiergerechte Behandlung der Fische beschränken. Es nützt mir als Fischer im Handeln nichts, zu wissen, welche Behörden nun für was zuständig sind und was sie bestimmen. M.E. wäre wichtiger, diese Kommissionen darauf zu überwachen, wie sie generell zur tierischen Lebensmittelbeschaffung stehen und was sie selbst von dieser verzehren!
Es kann nicht sein, dass eine kleine Minderheit von Gutmenschen (zumindest im tierischen Sinne) die Welt auf den Kopf stellen können. Jagen und Fischen ist und war eine Lebensnotwendigkeit, auch wenn diese Herrschaften vielleicht Vegetarier sind!
Martin 6. Dezember 2014
Mir geht es schon mit dieser SaNa Ausweispflicht zu weit. Aber Ihr habt hier auf der Webseite endlich mal Kursdaten publiziert, was ich sehr schätze. So kann ich vielleicht endlich mal diesen Ausweis machen! Die meisten Leute, die sich in die Fischerei einmischen, die haben keine Ahnung. Das sieht man beim C&R Verbot. Nur weil ein paar „Selbstgestrickte“ in ihrem Kifferwahn wieder irgend eine „glorreiche“ Idee hatten, muss die nicht gleich umgesetzt werden. Ich denke, andere Tiere, welche wirklich Schmerz empfinden, wie bspw. Rind, Schwein usw., erleiden grössere Qualen, als die paar Fische, welche Sportangler fangen. Ein richtiger Fischer, „Sportangler“ oder wie auch immer, der tötet einen Fisch sachgerecht, ohne ihm grosse Schmerzen zu zufügen.
Peter Kaiser 9. Dezember 2014
Ich finde, wir haben schon genug z.T. irrwitzige und praxisfremde Gesetze. Genug damit. Einen WK für den SaNa Kurs erachte ich als wenig sinnvoll. Einmal ist genug. Was geschieht eigentlich mit den Fischen die von Kormoranen zu Tode gestresst und/oder verletzt werden. Haben diese artenfremden Genossen einen Kurs absolviert ?. Sie fischen sehr effizient und zu dutzenden oder hunderten im Schongebiet, zu Schonzeiten und achten schon gar nicht auf Schonmasse. Das ist eine riesengrosse Sauerei, welche seit Jahren toleriert wird.
Andreas Kessler 13. Dezember 2014
Interessant an der ganzen Geschichte ist auch, dass sich an der eigentlichen Sachlage nichts geändert hat, damit meine ich, dass die Forschung auf dem Gebiet Schmerzempfinden von Fischen noch nicht fähig ist klare Antworten zu liefern. Es werden jedoch von uns Anglern immerzu neue „Nachweise“ gefordert. Wie kann man ohne Resultate immer neue Anforderungen an die Fischer stellen?! Wie im Kommentar oben erwähnt, ist auch immer die Rede von den Sportfischern, wobei die Anzahl an Fischen die von den Sportfischern erbeutet werden im Vergleich mit der komerziellen Fischerei unbedeutend ist. Bedenkt man nun, dass die Ethik sich mich rationalem Menschlichen Handeln befasst, so solltedie sogenannte Ethikkomission fähig sein zu erkennen, dass ein von einem Sportfischer erbeuteter Fisch in jeder Hinsicht wertwoller ist als einer aus der Fischindustrie: Ein Sportfischer gibt Geld aus für Material und Patent, ist möglicherweise in einem Sportfischerverein und trägt somit zum Erhalt der Fische und Gewässer bei, zudem wird er seine Beute korrekt und respektvoll töten und verwerten (Fische zurückzusetzten ist in unserem Lande verboten…). Ein von einem Sportfischer erbeuteten Fisch ist also sowohl ökonomisch wie auch ökologisch gesehen der Sinnvollste Fang!!Leider scheint dies niemand zu erkennen oder erkennen zu wollen…!! Es läuft in Sachen Ethik, Tierschutz und Fischereigesetze leider vieles falsch in der Schweiz,ich selbst habe das Glück in der Romandie am Genfersee zu leben, wo das nahe Frankreich die Fischereigestzgebung „positiv“ für den Sportfischer beinflusst. In diesem Sinn ein kleiner Tipp an die zuständigen Behörden und auch für alle die langsam die Hoffnung an die Vernunft in Sachen Fischerei und Tierschutz verlieren, schaut nicht ach Norden, sondern nach Westen!!!
Gruss an alle Petri-Heil Leser und Mitarbeiter,
Andreas Kessler
Lukas Baumann 12. Januar 2015
Der Bericht der Ethikkomission ist so schlecht nicht.
In vielen Punkten bin ich als langjähriger Fischer mit der Mehrheit der EKAH einig. Einige Beispiele gefällig?
Im Punkt C&R: Erstens wissen wir alle, dass bei weitem nicht alle Fische so problemlos abgehakt werden können wie uns das auf Youtube immer vorgemacht wird. Es braucht sehr viel Übung und Fingerspitzengefühl einem Hecht den inhalierten Wobbler aus den Kiemen zu friemeln und die wenigsten Fischer haben einen Bolzenschneider dabei und sind bereit notfalls einen Haken oder zwei zu opfern. Wie oft ich schon gesehen habe, wie aufgeregte Fischer einen wild um sich schlagenden Hecht im Boot zu bändigen versucht haben! Sicher hatte der noch zwei Drillinge im Schlund – da ist dann das unbeschadete Zurücksetzen nicht mehr gegeben. Zudem besteht in der Schweiz in den meisten Gewässern auch keine Entnahmepflicht.
Fische dürfen aus ökologischen Gründen(wichtiges Laichtier, Mini-Egli) wider zurückgesetzt werden falls dies nicht das Hauptziel des Fischers ist.
Wer den Sana gemacht hat, sollte das eigentlich wissen.
Nur: Fischen aus reinem Spass an der Freude ist Tierquälerei. Für die Fische und das weiss jeder Fischer, ist es bestimmt kein Spass an einer Angel gefangen zu werden. Falls sie keinen Schmerz spüren, ist es zumindest ein riesen Stress und eine grosse körperliche Anstrengung. Mancher überlebt das nicht, so wie die Wildtiere die im Winter von den Skifahrern verscheucht werden. Da müssen wir Fischer auch ehrlich mit uns sein.
Zweitens: Sana Pflicht: Auch ich finde das einerseits (Freiangelrecht, etc) übertrieben. Andererseits soll man sich mal an einem schönen Sommertag an ein Forellengewässer in der Schweiz begeben: Dort wird dann das Ufer zur Partyzone und der Schwimmer auf dem Wasser ist schnell vergessen. Wenn dann der Biss bemerkt ist, ist der Fisch längst verangelt. Die Landung wird zum Akrobatikakt und der Fisch mangels Kescher einfach ans Ufer geschleikt. Dann wird versucht den Haken herauszuoperien, da sonst ja die mühsame Montage neu geknüpft werden müsste. Der untermassige Fisch der dann 10 Minuten später wieder in den See geknallt wird, ist mehr tod als lebendig.
Wie viele herrenlose Schwimmer ich an solchen Tagen schon vom See geborgen habe! Einmal wars der viel zu dünne Silch der beim Gewaltsauswurf gerissen ist. Und der Haken am unteren Ende mit der Bienenmade hätte auch eher zu einem Läugel gepasst. Oder die Leine war schon so alt, dass man sie mühelos zerreissen konnte. SO zu fischen ist alles andere als Waidgerecht. Und ich glaube schon, dass man dieses Verhalten durch Ausbildung ändern, oder zumindest diese Leute vom fischen fernhalten kann.
Mir wäre es durchaus Recht, wenn ich solche Szenen weniger zu sehen bekäme.