Vor dem Hintergrund des sehr niedrigen Nährstoffgehalts sind im Jahr 2014 und im ersten Halbjahr 2015 die Fischerträge im Bodensee-Obersee weiter eingebrochen. Deshalb sehen sich die Anrainerstaaten nach zähem Ringen und intensiver Diskussion gezwungen, die Zahl der Fischereipatente für die Berufsfischer deutlich zu reduzieren und neu zu verteilen.
Da infolge des permanent geringen Nährstoffgehalts des Sees auch zukünftig sehr niedrige Fangerträge zu erwarten sind, die für eine wirtschaftliche Fischerei im bisherigen Umfang nicht ausreichen werden, hat die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) zur Zukunftssicherung der verbleibenden Fischereibetriebe erstmals seit 1934 die Patentzahlen für die einzelnen Anrainerstaaten neu festgesetzt.
Die diesjährige Konferenz fand unter dem Vorsitz von Bayern am 24. Juni 2015 in Wasserburg in Bayern statt. Schwerpunktthemen waren die Entwicklung der Felchenfischerei vor dem Hintergrund rückläufiger Nährstoffgehalte im See, die zukünftige Entwicklung der Patentzahlen der Berufsfischerei am Bodensee-Obersee, sowie die belastende Kormoransituation am gesamten Bodensee.
2014 schlechtestes Fangjahr seit 1954
Der Gesamtfang der Berufsfischer lag bei 441 Tonnen und damit nochmals fünf Prozent unter dem bereits sehr schlechten Ertrag des Vorjahrs.
Der Anteil der Felchen am Gesamtfang lag bei 68 Prozent. Mit 302 Tonnen wurde ein ähnlich schlechtes Ergebnis erzielt wie im Vorjahr. Der Egliertrag nahm mit 50 Tonnen gegenüber dem Vorjahr um 38 Prozent ab. Auch beim Seesaiblingsertrag war eine starke Abnahme (- 43 %) festzustellen. Die im Vergleich zum Vorjahr um 14,5 Prozent höheren Weissfischerträge konnten die Defizite bei den Felchen- und Eglierträgen bei weitem nicht ausgleichen. Die gegenüber dem Vorjahr höheren Seeforellenfänge lagen unter dem Zehnjahresmittel. Insgesamt war damit 2014 das schlechteste Fangjahr überhaupt seit 1954. Für das Jahr 2015 zeichnet sich ein weiterer Ertragseinbruch ab.
Die rund 13.000 Angelfischer erzielten mit insgesamt 43 Tonnen ebenfalls ein unterdurchschnittliches Ergebnis.
Als Reaktion auf die Ertragslage soll innerhalb der nächsten fünf Jahre die Zahl der Hochseepatente von aktuell 113 auf 80 reduziert werden. Die Entscheidung fiel den Bevollmächtigten nicht leicht, galt es, die Interessen jedes einzelnen Betriebs am Erhalt seines Patentes gegen die Zukunft und das Überleben der gesamten Berufsfischerei am Bodensee abzuwägen. Einigkeit bestand letztlich, dass nur ein schnelles Handeln die Berufsfischerei retten kann. Neben der Reduktion der Patente wurde als Reaktion auf das verlangsamte Felchenwachstum die Maschenweite der Netze angepasst.
Weitere aktuelle Informationen über die Bodenseefischerei sind auf der IBKF-Homepage (www.IBKF.org) zu finden.
IBKF

rasch 26. Juni 2015
Eine riesen Sauerei …. was auf den ersten Blick nett tönt … wird Heute in einem Artikel im St. Galler Tagblatt gleich wieder relativiert.
Die frei werdende Netzfläche wird den verbliebenen Berufsfischer zugesprochen, was bedeuetet dass keine Masche weniger in den See kommt. Zudem dürfen engere Maschen verwendet werden so dass der Druck auf die Fische noch wächst und die Überfischung noch schlimmer wird.
Die IBKF und die Berufsfischer zerstören mit kurzsichtigen Entscheiden das Ökosystem Bodensee, dass ist die Wahrheit und dagegen sollten wir Fischer uns wehren.
Gruss vom Bodensee
http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/kantonthurgau/tz-tg/Fischer-muessen-weniger-werden;art123841,4272010
Martin 27. Juni 2015
Mich würde folgendes interessieren: Wie tief können die Berufsfischer mit ihren Netzen fischen? Und ich frage mich, ob durch die verbesserte Sichtqualität die Fische nicht in tiefere Lagen abtauchen und somit ausserhalb der Reichweite der Berufsfischer sind? Immerhin dringt bei klarem Wasser das Licht tiefer in den See, als bei trübem. Ob es wirklich einen Nahrungsmangel für die Felchen gibt? Vielleicht sind sie einfach eine Etage tiefer, dank dem klaren Wasser und mehr Sauerstoff in der Tiefe?